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Emilie Reinbeck

Die kleine und die große Liebe

Der Fährenschreiber von Libau

Seite 2

 
Bibliographie

 

 

 

Der Fährtenschreiber von Libau

Textauszug

 
   "Einst, wenn in Novembernächten der Sturm aus dem Eismeer gen Süden, gen Abend, sich aufmachte und sein Wesen trieb, ging ein gewaltiges Zittern durch das alte Rußland. Jeder kannte die unheimliche Gestalt dieses Sturmes. Man brauchte ihn nur als Kind gehört haben, um zu wissen, wie er aussieht: der göttliche Zorn, leibhaftig geworden, auf seine Opfer losgelassen. Und er fand jeden, packte die Gewissen und schüttelte sie so lange, bis alle unguten Taten wachgerüttelt wurden.
   ...Der Fährenschreiber war der Verwalter der Fähre. Er hatte dafür zu sorgen, daß die Reisenden herüber und hinüber befördert wurden, damit sie das offene Meer erreichten oder drüben die Straße für ihren Heimweg. Mit diesem Amt wurde nur einer der zuverlässigsten Bürger betraut. Darum war es Ehrensache, daß es in der Familie verblieb. Mit dem Amt vererbte sich auch das kleine Anwesen und mit ihm gleichsam Friede und Behagen der sauberen, geordneten Häuslichkeit. »Glückliche Menschen!« hieß es, wenn die Rede auf den derzeitigen Fährenschreiber Johann Vahrenhorst kam.
   ...Als eine Art Beamter schuldete er dem Staat Rechenschaft über Zoll und Frachtgelder. Seit der Ernennung des Prinzen Johann zum Herzog von Kurland wurden ihm jedoch noch andere Pflichten auferlegt. Der Herzog hatte ihn in den fragwürdigen Stand eines Gehilfen seiner Geheimpolizei erhoben. Er sollte nun ganz unauffällig den Adel kontrollieren, der ins Ausland fuhr. Wenn es galt, Equipagen überzusetzen, sollte er die Dienerschaft veranlassen, auszusteigen, um Ziel und Zweck der Reise zu erfragen. »Ich kann es nicht!« sagte er zu seiner Frau, als er zum ersten Mal einen solchen Bericht zu erstellen hatte. Und die Frau sah erschrocken, wie ihr starker, ruhiger Mann vor einem Notizheft saß, den Kopf in beide Hände gestützt..."
   

Die kleine und die große LiebeSeite 2
   
   
 
     

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